Kultify – HRtech Vorstellungsrunde

Wir von JobUnicorn sind selbst viel unterwegs und begegnen anderen Gründern, die spannende und revolutionäre Ideen haben – oder die auf einer Messe einfach super nette Standnachbarn waren. Diese Start-ups möchten wir euch gerne einmal vorstellen.

Heute sprechen wir mit Kultify.

 

JobUnicorn: Hallo Stephan, die Fahrstuhltür schließt sich. Dein 10 Sekunden-Pitch bitte:
Stephan Bloß: Kultify bietet eine digitale Mentoring-Plattform zur Personalentwicklung an, die auf die individuelle Situation im Unternehmen und auf die einzelnen Mitarbeiter und Führungskräfte zugeschnitten ist und regelmäßige Impulse liefert, um eine nachhaltige Weiterentwicklung in Unternehmen zu erreichen.

Ok, jetzt zur Langfassung, was macht kultify ganz genau?
Wir möchten Unternehmen mit unsere Onlineplattform etwas bieten, das es so noch nicht gab und das man als „Personalentwicklung 4.0“ zusammenfassen kann.
Grundlange ist eine regelmäßige Erfassung nicht nur der Stimmung und Kultur im Unternehmen, sondern auch der Bindung der einzelnen Mitarbeiter zum Unternehmen, zum Team und zum Vorgesetzen. Dadurch können wir jedem einzelnen Mitarbeiter und jeder einzelnen Führungskraft individuell auf sie angepasste, schnell durchzuführende Handlungsempfehlungen anbieten, sogenannte Challenges.
Gleichzeitig liegt ein weiterer Fokus darauf, die Potentiale der Unternehmenskultur aufzudecken und hier durch kontinuierliche Handlungsempfehlungen eine Weiterentwicklung zu initiiere. Unser Ziel ist es, die Mitarbeiterbindung in Unternehmen signifikant anzuheben, die Performance zu steigern und die Attraktivität der Arbeitgebermarke zu erhöhen. Wir sind davon überzeugt, dass eine langfristige und nachhaltige Weiterentwicklung in Unternehmen nur gemeinsam mit den eigenen Mitarbeitern erreicht werden kann. Genau das ermöglichen wir.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen?
Die Idee hat sich nach und nach weiterentwickelt. Ursprung des Ganzen ist meine damalige Masterarbeit. Hier habe ich mich sehr ausführlich mit dem Thema „Unternehmenskultur“ befasst und wie man diesen doch sehr schwammigen Begriff durch Zahlen und Fakten annährend greifbar macht. Herausgekommen ist ein Modell, das die Grundlage für unsere jetzige Analyse darstellt. Am Anfang gab es nur diese Analyse, die wir Unternehmen angeboten haben. Häufig kam dann von den Unternehmen die Frage auf, welche Konsequenzen sich aus den gewonnenen Kennzahlen ableiten lassen. Es gab also eine Lücke zwischen der erfassten Ist- und Soll-Situation, die wir mit unserer damaligen Lösung nicht schließen konnten. Da wir ein skalierbares, digitales Produkt anbieten möchten, fiel die klassische Beratung zum Schließen dieser Lücke raus. Nach langem Brainstormen kamen wir schließlich auf die Idee mit den Handlungsempfehlungen, die über einen Algorithmus individuell für jeden Nutzer angepasst sind.

HR gilt nicht gerade als innovatives Umfeld und angeblich haben Personaler Angst vor der Digitalisierung. Wie viel ist deiner Meinung nach an dem Vorurteil dran und wie geht ihr damit um? Warum passen kultify und Personalabteilungen zusammen?

Ich persönlich glaube nicht, dass Personaler besonders Angst vor der Digitalisierung haben. Vielmehr gibt es aktuell einfach zu wenige innovative Lösungen, die im HR-Bereich einen echten Mehrwert bieten können. Vor allem in der Personalentwicklung hat sich in den letzten Jahren einfach viel zu wenig getan.
Klassische Instrumente wie Mitarbeiterjahresgespräche oder Mitarbeiterbefragungen sind nur bedingt effektiv und nicht mehr wirklich zeitgemäß. Treten akute Probleme auf, werden Unternehmensberatungen beauftragt, die sehr kostenintensiv sind und meistens nur einen kurzfristigen Effekt haben.
Genau deshalb möchten wir hier mit der digitalen Mentoring-Plattform für frischen Wind sorgen. Zusätzlich streben wir einen engen Austausch mit den Personalabteilungen an, um eine Softwarelösung anbieten zu können, die die Probleme löst, mit denen Personaler im Alltag konfrontiert werden.

Was war euer bisher größter Erfolg?
Mitte Oktober hatten wir den Beta-Launch unserer Online-Plattform, der ohne größere Zwischenfälle gut über die Bühne ging. Nach monatelanger Entwicklungsarbeit waren wir doch schon sehr stolz darauf, dass nun die ersten User unser Produkt nutzen können.

Wo soll es noch hingehen? Was sind die Wünsche für die nächsten 2 Jahre?
Wir haben noch eine Menge Ideen für mögliche Erweiterungen der Online-Plattform. Als nächsten Schritt möchten wir eine Erfassung der internen, abteilungsübergreifenden Mitarbeitervernetzung über unsere Online-Plattform ermöglichen. Damit können wir abbilden, wie stark Ihre einzelnen Mitarbeiter jeweils miteinander zusammenarbeiten und welche Netzwerke dadurch bereits entstanden sind. Diese Daten ermöglichen eine noch detailliertere Analyse und spezifischere Handlungsempfehlungen für eine nachhaltige Weiterentwicklung.
Zusätzlich wird die Möglichkeit implementiert, dass über unsere Online-Plattform eine Empfehlung herausgegeben werden kann, inwieweit ein bestimmter Bewerber oder Mitarbeiter in ein bestehendes oder geplantes Projektteam bzw. in eine Abteilung passt.
Zu viel möchte ich da aber noch nicht verraten. 😉
In zwei Jahren sehen wir uns als umfassende Lösung im Bereich „Personalentwicklung 4.0“. Personaler sollen mit unserer Software eine umfassende Unterstützung in ihrer täglichen Arbeit erhalten, die sich durch einfache Nutzung und Umsetzbarkeit auszeichnet.

Welche HR-Events besucht ihr und welche würdest du innovativen Personalern empfehlen?
Sehr zu empfehlen sind die beiden Messen „Personal Süd“ und „Zukunft Personal“. Hier sind vor allem in den Ausstellerbereichen der Startups auf engstem Raum eine Menge innovativer Ideen zu finden. Wir selbst haben hier eine Menge inspirierender Ideen und kreativen Input mitnehmen können.
Ansonsten kann ich nur jedem Personaler, der nach innovativen Ansätzen Ausschau hält, die zahlreichen Startup-Veranstaltungen ans Herz legen, die regelmäßig in jeder größeren Stadt stattfinden. Hier wird Innovation gelebt. Und wenn man mit offenen Augen und Ohren diese Veranstaltungen besucht, wird man mit großer Sicherheit neue Lösungen für die eigenen Prozesse im Unternehmen finden.

Was sind die größten Herausforderungen der sich HR in den nächsten Jahren stellen muss?
Hier lohnt es sich, die Ergebnisse der bekannten Gallup-Studie, die jährlich veröffentlicht wird, zu zitieren: 70 % der Beschäftigten haben eine geringe Bindung, 15 % keine Bindung zu Ihrem Unternehmen. Die volkswirtschaftlichen Kosten aufgrund von innerer Kündigung belaufen sich auf bis zu 105,1 Milliarden Euro jährlich!
Ich finde diese Zahlen erschreckend. Und genau hier steckt ein enormes Potential. Unternehmen müssen verstehen, dass eine hohe Mitarbeiterbindung einen entscheidenden Wettbewerbsfaktor darstellt. Weiterhin muss Ihnen klar werden, dass das Gießkannenprinzip für daraus abgeleitete Maßnahmen nicht funktioniert. Was für Mitarbeiter A funktioniert, kann bei Mitarbeiter B genau das Gegenteil bewirken. Deshalb sind Personalabteilungen in Zukunft noch stärker gefordert, individuelle Maßnahmen zur Mitarbeiterentwicklung und -bindung auszuarbeiten und umzusetzen. Das wird kein leichter Weg sein, aber einer, der meiner Meinung nach vor allem für kleinere und mittlere Unternehmen unumgänglich sein wird. Nur so können sie gute Mitarbeiter halten und neue Talente gewinnen.

Wie sollte innovative Personalarbeit deiner Meinung nach aussehen?
Wie bereits angesprochen, sollte bei einer innovativen Personalarbeit die Bedürfnisse des einzelnen Mitarbeiters im Fokus stehen. Es nützt nichts, generelle Maßnahmen festzulegen, die alle Beschäftigten gleichermaßen betreffen. Damit mag man bei manchen Mitarbeitern ins Schwarze treffen, bei vielen verpuffen diese Maßnahmen meist aber ohne große Wirkung.
Auch nutzt es in der Regel wenig, wenn man einmal im Jahr eine Mitarbeiterbefragung durchführt. Dadurch gewinnt man eine Momentaufnahme. Man kann Unternehmen mit einem lebenden Organismus vergleichen, der sich in einem ständigen Wandel befindet. Was vor drei Monaten vielleicht noch gültig war, kann jetzt schon wieder völlig überholt sein.
Eine innovative Personalarbeit beinhaltet demnach zwei wesentliche Faktoren: Flexibilität und Individualität. Aber genau hier hakt es bei den meisten Unternehmen, da sich diese Punkte durch etablierte Personalarbeit kaum umsetzen lassen.

Wann spielt das Team von kultify eine Runde Bürokicker gegen uns?
Beim nächsten Berlinbesuch wird das definitiv auf unserer To-Do-Liste stehen. Aber seid schon einmal vorgewarnt, wir haben da jemandem im Team, der kann schneller schießen, als ihr schauen könnt! 😉

Wer ist eigentlich Stephan Bloß?
Geboren bin ich vor 29 Jahren in Nürnberg. Mein Studentenleben habe ich mit einem Masterabschluss in Wirtschaftsingenieurwesen mit dem Schwerpunkt Management an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg abgeschlossen. Nebenbei war ich als Werkstudent in einer Unternehmensberatung tätig. Anfang 2016 habe ich Kultify gegründet, nachdem meine Masterarbeit zum Thema „Unternehmenskultur als Erfolgsfaktor in Unternehmen“ den entscheidenden Anstoß dazu gegeben hat.

Wenn ich nicht in unserem Büro anzutreffen bin, kann es gut sein, dass ich gerade an einem Felsen in der Fränkischen Schweiz oder in den Bergen hänge. 🙂

 

 

 

Weitere HRtech Start-ups kennenlernen?

Ganz einfach mit unserer Blogserie HRtech-Vorstellungsrunde.

By | 2017-12-04T17:18:56+00:00 04.12.2017|

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